Kleine Tour, die Weltklasse zeigte

Das Tonhalle-Orchester Zürich konnte auf seiner ersten kleinen Tour der Saison 2021/22 grosse Konzerterlebnisse gestalten. Ein Rückblick in Bildern und einigen Pressestimmen zum Nachschmökern.

SCHLESWIG-HOLSTEIN MUSIK FESTIVAL:

In der Aufführung von Schuberts „großer" C-Dur-Sinfonie untermauern Järvi und sein Zürcher Orchester den Eindruck, der sich schon vor der Pause abzeichnete: dass sie ein echtes Dreamteam sind. Nicht nur wegen der phänomenalen Klangkultur und Disziplin des Zusammenspiels.
Sondern vor allem, weil sie mit einer unbändigen Entdeckerlust die weiten Landschaften von Schuberts Musik erkunden, vom Hornthema zu Beginn bis zu den finsteren Abgründen im Andante.
Paavo Järvi führt diese Wanderung liebevoll, straff und natürlich, er atmet mit seinen Musikerinnen und Musikern und modelliert plastische Kontraste. Dabei beglückt er mit einer reichen Palette an Farben. Gerade das Pianissimo ist atemberaubend und rührt etwas tief in uns drinnen an. Schwer zu erklären, aber umso deutlicher zu spüren. Das Wunder großer Musik.

Hamburger Abendblatt, Marcus Stäbler, 21. August 2021

Es ist ein Orchester von unbändiger Spielfreude, vermochte Järvis temperamentvolle Tempovorstellung stets zu erfüllen. So erlebten die Zuhörer eine wunderbar gestimmte Achte von Schubert, die „Grosse“ in C-Dur, die damit die Reihe der Kompositionen von Schubert, die das SHMF in diesem Jahr in den Mittelpunkt gestellt hatte, eindrucksvoll ergänzte. Järvi freute sich, gab seine Freude über die Leistung des Orchesters beim Spiel schon weiter. Das wirkte auf die Musiker, denen ihr Spass an der Präzision zunehmend anzusehen war. Und es wirkte auf die Zuhörer, die lange applaudierten und mit einem wunderbar zarten „Valse triste“ von Sibelius beschenkt wurden.
Neue Musikzeitung, Arndt Voss, 25. August 2021

Ihren größten Trumpf, einen wirklich grandios lebhaften Beitrag zum Franz-Schubert-Schwerpunkt, spielen die Züricher nach der Pause: Paavo Järvi verleiht – sichtlich zu ihrem eigenen Vergnügen – mit ihrer Hilfe der „C-Dur-Symphonie D 944“ Flügel. In überall rasanter Gangart, durchsetzt von nimmermüde aufschäumenden Impulswellen entsteht ein mitreißendes, in den homogenen Registern fein abgestuftes Schwirren, das den Wiener Frühromantiker Schubert als Propheten des orchestral Möglichen neben Beethoven und Berlioz ausweist.
In dieser Form und Konstellation ist das Tonhalle-Orchester wieder zu den besten Adressen der internationalen Orchesterkultur zu zählen.

Kieler Nachrichten, Christian Strehk, 20. August 2021

Enthusiastische Lobeshymnen auf das Tonhalle-Orchester Zürich sind unzählige Male gesungen worden: Da ist allenthalben vom satten, aber dennoch durchsichtigen Klang, von mitreissender Emotionalität, technischer Perfektion und knackigem Zugriff die Rede – die Zürcher zählen halt zu den Spitzenorchestern. Jetzt waren sie beim Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) in der deutlich überakustischen Holstenhalle zu Gast – und wurden ihrem vorauseilenden Ruf auch hier vollends gerecht.
Schleswig-Holsteinische Landeszeitung, Detlef Bielefeld, 21. August 2021

GRAFENEGG FESTIVAL:

60 Minuten dauert das Werk, das das Tonhalle-Orchester Zürich unter Paavo Järvi als geniales Panoptikum der Schubert'schen Klänge und Motive interpretiert, vom Ruf der Hörner zu Beginn bis zum stürmischen Galopp im Finale. Dazwischen hört man erhabene Naturklänge, mitreissend-romantischen Elan, Heiterkeit und Wehmut.
Der Standard, Miriam Damev, 23. August 2021

LUCERNE FESTIVAL:

The horn section was on top form; the orchestra clearly pleased to show off their skills, with beautifully articulated paying, at a major festival to a partly international audience at the KKL.
Seen and Heard International, John Rhodes, 26. August 2021

Im Mittelsatz, in dem die Dämonen der teuflischen Syphilis-Erkrankung Schumann erstmals das Thema seiner allerletzten «Geistervariationen» einflüsterten, finden die Musiker zu einer Innigkeit und einem stillen Leuchten, das noch den Letzten mit dem Werk versöhnt: gleichviel, ob es nun ein Produkt des aufkeimenden Wahnsinns ist – oder doch bloss ein problematisches Stück.
Neue Zürcher Zeitung, Christian Wildhagen, 27. August 2021

(…) das Tonhalle-Orchester beschert dem Publikum einen dieser Momente, wo es sich einfach zurücklehnen und untertauchen kann.
Schweiz am Wochenende, Luzerner Zeitung, Roman Kühne, 27. August 2021

Zusammen mit seinem Musikdirektor Paavo Järvi erschien das Tonhalle-Orchester Zürich mit einem reinen Schumann-Programm; es umfasste die «Genoveva»-Ouvertüre, das Violinkonzert (das Christian Tetzlaff mit hoher Identifikation und berührender Wärme in Klang setzte) und die Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur, die «Rheinische». Blendend war dies Hauptstück gemeistert – in einem Klang, der die dunkle Grundfärbung des Zürcher Orchesters hören liess, sie gleichzeitig jedoch verband mit heller Transparenz, der ausserdem mit der Opulenz der grossen Besetzung mit vierzehn Ersten Geigen prunkte, ebenso sehr aber von geschmeidiger Beweglichkeit lebte. Eindrucksvoll die vorab durch die Arbeit an den Tempi erzielten Spannungssteigerungen, die ebenso eleganten wie markanten Akzentsetzungen, die Präsenz des hier feierlichen, dort enthusiastischen Tons, der diese Sinfonie kennzeichnet. Ein erstklassiges Gastspiel.
Peter Hagmann, 1. September 2021

…und zu guter Letzt lobt der renommierte Musikjournalist Manuel Brug auf Twitter das fab all Schumann-Programm.

veröffentlicht: 27.08.2021