Probe-Abonnent*innen im Gespräch

«Ich mochte den humorvollen Ton»

Mit dem tonhalleCRUSH gingen unsere 566 Probe-Abonnent*innen in die zweite Runde. Wir haben vier von ihnen befragt.

Alessandro Ghisletta, Leiter Finanz- und Rechnungswesen

«Ich hatte einen intensiven Arbeitstag hinter mir und dachte, dass das noch ein langer Abend werde. Am Ende des Konzerts hatte ich das Gefühl, es sind nur zehn Minuten vergangen. Die 3. Sinfonie von Bruckner war für mich neu und ich finde es immer schön, wenn ich positiv überrascht werde. Gefallen haben mir die abwechselnden Stimmungen in der Musik, mal ganz fröhlich und voller Power und dann langsam und traurig. Auch die ‹Zugabe› nach dem Konzert im Foyer hat mir sehr gut gefallen. Eine Pianistin und drei Musiker an Geige und Kontrabass haben unter anderem volkstümliche Musik gespielt. Eine wunderbare Möglichkeit, die Musiker*innen direkt und ganz nah zu erleben.

In der Pubertät hörte ich Hard Rock und Heavy Metal und ab 20, 25 Jahren, verfolgte ich zunehmend mehr unterschiedliche Musikrichtungen. Seitdem habe ich nie aufgehört, neue Musik zu entdecken. Für mich bedeutet Musik Abwechslung, Ausgleich und die Möglichkeit, abschalten können.

Ich gehe schon seit einigen Jahren in die Tonhalle und höre dort Konzerte mit dem Tonhalle-Orchester Zürich und auch mit anderen Ensembles. Als ich mir die neue Saison anschaute, sprach mich das Probe-Abo sofort an, weil man in vier Konzerten neue Werke und Komponisten entdecken kann. Ich werde aber noch weitere Konzerte auswählen. Vivaldis ‹Vier Jahreszeiten› möchte ich wieder mal erleben, auch romantische Werke mag ich sehr gerne. Der Vorteil vom Abo ist, dass man Stilrichtungen kennenlernt, die man sonst vielleicht eher nicht auswählen würde.

Ich habe Wirtschaft studiert und arbeite in der Buchhaltung. Mit meiner Familie wohne ich in der Nähe von Zürich. Ich bin gerne mit unserem Hund draussen in der Natur oder auch gerne mal alleine mit dem Velo oder in den Joggingschuhen unterwegs. Ich finde, das Probe-Abo ist ein super Angebot. Es ist eigentlich ein Luxus, in Zürich so klasse Musik erleben zu können.»

(aufgezeichnet von Katharine Jackson)

Martina Seltmann, Marketing-Verantwortliche

«Das neue Format hat mir gefallen. Das beginnt schon beim Zeitpunkt, man kann um halb sieben direkt vom Büro herkommen, das ist unkompliziert und zieht sich nicht ewig in die Länge. Auch wenn Bruckner im ersten Teil schwere Kost zum Feierabend ist eine kompakte Stunde hervorragende Musik, Klang und Interpretation waren absolut grossartig. Für meinen Geschmack hätte es auch ein leichteres Werk sein dürfen, aber eine gute Erfahrung war dieser Bruckner auf jeden Fall.

Auch waren die Ansagen gerade durch Paavo Järvi sehr interessant, man hört ihn ja sonst nicht reden im Konzert. Ich mochte den humorvollen Ton und habe inhaltlich profitiert, man erhält eine Idee von dem, was auf einen zukommt.

Das hätten wir gerne auch in den zweiten Teil mitgenommen, aber leider haben wir auf unseren ansonsten schönen Sitzplätze auf der Galerie rechts nicht gesehen und nicht gut gehört, was der Musiker auf der Bühne für die Jam-Session angekündigt hat. Im Foyer ging dann leider die fröhliche, beschwingte Musik in der grossen Mengen an Leuten unter, die geblieben sind. Was ja toll ist! Vielleicht müsste man die Formation einfach verstärken? Oder deutlicher darauf hinweisen, dass es wirklich noch ein Teil des Konzerts ist, der uns erwartet? Womöglich hat es die Band ja gar nicht gestört, Hintergrundmusik zu machen. Ich jedenfalls hätte sie gerne besser gehört.

Ein letzter Wermutstropfen: Es wäre gut, das Kongresshaus könnte an einem solchen Abend mehrere Bars öffnen und genügend Snacks bereitstellen, die sollten nicht so rasch ausgehen für die hungrigen Leute nach einem langen Arbeitstag.

Ich freue mich jedenfalls auf den nächsten Probeabo-Besuch.»

(aufgezeichnet von Melanie Kollbrunner)

Ralph und Conny Krumpen, Selbständiger Broker und Mitarbeiterin Reha-Klinik

Conny Krumpen: «Mir hat es sehr gut gefallen, mich auf diese Musik einzulassen. Ich habe zuvor noch nie eine Bruckner-Sinfonie gehört, und ich finde es immer spannend, etwas zu entdecken.»

Ralph Krumpen: «Wir haben auch tolle Plätze auf der Galerie in der ersten Reihe, ziemlich weit vorne. Da sehen wir Paavo Järvi von vorne, wir sehen den Musikern in die Noten … Wir sitzen sozusagen mittendrin.»

C.K.: «Vor dem Start dieses Probeabos waren wir noch nie in der Tonhalle. Ich bin nicht mit klassischer Musik aufgewachsen, meine Eltern haben sich nicht dafür interessiert. Nur einmal war ich mit meiner Grossmutter in der Oper, im ‹Nabucco›. Das fand ich sehr beeindruckend.

R.K.: «Bei meinen Eltern gehörten Abos dazu – Konzert, Theater, Oper. So habe ich das in der Kindheit schon mitbekommen. Aber seit wir aus Deutschland in die Schweiz gezogen sind, hat es sich einfach nie ergeben, obwohl wir kulturell viel unternehmen. Wir sind sehr breit interessiert. Am Samstag waren wir etwa im X-tra, dort legte ein deutscher DJ auf. Da gehörten wir zu den Ältesten …»

C.K.: «Hier in der Tonhalle war ich überrascht, wie viele junge Leute da sind. Vor allem nach dem ersten Konzertteil, bei der Jam-Session, da war das Publikum sehr gemischt. Die Musik ist zwar etwas untergegangen, die Akustik im Foyer ist wohl schwierig, wenn so viele Menschen da sind. Aber es hat mich nicht gestört. Es war alles sehr entspannt – die einen haben zugehört, für die anderen war es Hintergrundmusik zum Gespräch.»

R.K. «Wir sind zwischendrin auch mal kurz auf die Terrasse gegangen, da sind wir mit zwei Bratschern aus dem Orchester ins Gespräch gekommen. Wir haben über die Konzentration gesprochen, die es braucht für so eine Bruckner-Sinfonie. Eine Stunde lang voll präsent zu sein und diese Höchstleistung zu bringen: Man merkt schon, dass das ein wirklich grossartiges Orchester ist. Und mit dem Saal, dem Foyer, der Terrasse ist auch die Location toll.»

C.K. «Mir gefällt auch dieses Format, mit den zwei ganz unterschiedlichen musikalischen Teilen relativ früh am Abend. Erst hatten wir Bedenken, ob es nicht zu knapp ist mit dem Konzertbeginn schon um 18.30 Uhr, wir kommen von auswärts; aber es war kein Problem. Und unter der Woche ist ideal, wenn man nicht zu spät zu Hause ist.»

R.K. «Auch das andere Mischformat wollen wir beim nächsten Mal ausprobieren, die tonhalleLATE, mit Klassik und Electronic. Da werden wir Freunde mitnehmen, die wir für ein reines Orchesterkonzert nicht begeistern könnten … Wir werden sicher weiterhin in die Tonhalle kommen, auch nach diesem Probe-Abo-Jahr. Es muss nicht wöchentlich sein, weil wir eben sonst noch vieles machen. Aber ungefähr sechs Mal im Jahr – das könnten wir uns gut vorstellen.»

(aufgezeichnet von Susanne Kübler)

Gespräch, Konzert, Jam-Session: Dies war die erste Ausgabe von tonhalleCRUSH. Foto: Gaëtan Bally
Foto: Gaëtan Bally
Auch die Geigerin Janine Jansen applaudiert ... Foto: Gaëtan Bally
Foto: Gaëtan Bally
Foto: Gaëtan Bally
Jam-Session – und viel Publikum. Foto: Gaëtan Bally
Jam-Session mit Josef Gazsi, Kamil Losiewicz und Michel Willi. Foto: Gaëtan Bally
Foto: Gaëtan Bally
Foto: Gaëtan Bally
published: 07.11.2022

Tags