Zwei Stunden mit Ulrich Acolas, Orchestertechnik Gastveranstaltungen
Er stand einst als Sänger auf der Bühne der Tonhalle Zürich. Heute ist Uli Acolas hinter den Kulissen aktiv.
15:00 Ulrich Acolas sitzt vor seinem Computer im Büro der Orchestertechniker. Ein Veranstalter hat soeben angefragt, ob er beim geplanten Konzert einen Hazer, also eine Nebelmaschine, einsetzen könne. Die Antwort lautet: Nein, leider nicht.
15:04 Manches sei in diesem Saal einfach nicht zugelassen, sagt Uli, wie ihn hier alle nennen; «ansonsten versuchen wir, möglichst viele Wünsche zu erfüllen». Er ist zuständig für die technischen Fragen bei Gastveranstaltungen, also bei jenen Anlässen in der Tonhalle Zürich, die nicht von der Tonhalle-Gesellschaft Zürich organisiert werden. Das sind rund 150 im Jahr, «vom Laienchor bis zu Superstars wie Lang Lang kommen alle bei mir vorbei – das macht den Reiz dieses Jobs aus».
15:10 Im Saal probt noch das Tonhalle-Orchester Zürich, voraussichtlich bis 16:15 Uhr. Danach muss die Bühne eingerichtet werden für ein Barockorchester, das am Abend auftreten wird.
15:18 Kurzer Blick auf die Informationen zum bevorstehenden Konzert. Findet sich etwas auf der Checkliste, das noch vorbereitet werden müsste?
15:27 Telefongespräch mit Robert Knarr, der für den organisatorischen Teil der Vermietungen zuständig ist. Es geht um einen Anlass in der kommenden Saison, ein Veranstalter möchte vier Flügel auf der Bühne lagern. Hat das Orchester daneben Platz für die Proben? Falls nicht, muss das Podium ausgezogen werden – das kostet extra.
15:42 Die Probe ist vorzeitig fertig, der Umbau kann beginnen. Konkret: Da das Barockorchester stehend und in kleiner Besetzung spielt, müssen alle Stühle und die meisten Notenständer abgeräumt und unter der Bühne verstaut werden.
15:58 Man hört Uli summen bei der Arbeit, und das ist kein Zufall: Er ist ausgebildeter Kulturpädagoge und Sänger, als Bariton stand er unter anderem mit dem Schweizer Kammerchor auf dieser Bühne.
16:00 Das Cembalo wird geliefert. Das muss einige Stunden vor Konzertbeginn passieren, «damit es sich akklimatisiert». Gestimmt wird es später, wenn die Abräumarbeiten fertig sind und es still ist im Saal.
16:07 Es ist ein Hin-und-her mit Stühlen und Notenständern, Uli grinst: «Ein gewisses Workout ist hier inbegriffen.»
16:20 Frage der Besucherin: Wer hat eigentlich die Karten mit den Sprüchen ins Inspizienten-Kabäuschen unter der Bühne gehängt? «Das waren ich und mein Kollege Matthias Lehmann», sagt Uli und verrät auch seinen Lieblingsspruch: «Wenn DAS die Lösung ist, dann will ich mein Problem zurück!»
16:30 Die Bühne ist leer, «aber noch kein Orchester in Sicht – meistens stehen sie zu der Zeit schon vor der Tür».
16:34 Und da sind sie! Zwei Musiker besprechen mit Uli die Aufstellung. Die Positionen wurden bereits im Vorfeld geklärt, jetzt geht es um die Podeste: Wie hoch sollen sie sein? Und wie breit?
16:48 Der Überzug der Orgel wird entfernt, obwohl sie nicht gebraucht wird: «Der Veranstalter findet es schöner so.»
16:53 Rundgang durch die Garderoben. Sind sie warm genug? Ist die Minibar offen, wo sie bestellt wurde, und geschlossen, wo keine angemeldet ist? Letzteres ist wichtig für die Abrechnung des Anlasses, die ebenfalls zu seinen Aufgaben gehört.
17:00 Die Bühne ist bereit, «früher als geplant, die Probe beginnt erst in einer halben Stunde». Uli wird sie mithören, danach dem Garderoben- und Saalpersonal den Ablauf des Abends erklären, die Lichtregie während des Konzerts machen und schliesslich bis gegen 23 Uhr die Bühne wieder für den nächsten Probentag vorbereiten: «Dann haben es die Kollegen morgen früh leichter.»
